Am Sonntag gilt es für die Eispiraten, die bislang recht überschaubare Heimspielausbeute aufzuhübschen. Vielleicht kommen dazu die Huskies aus Kassel gerade recht. Denn nach einem beeindruckenden Zwischenspurt mit 20 erzielten Tore in drei Spielen , darunter gleich 8 (!) beim Auswärtsspiel bei Meister Bietigheim, setzte es in den beiden Heimspielen dieser Woche zwei Pleiten gegen die Überflieger aus Ravensburg und den Underdog aus Freiburg. Trotzdem kann man sich anhand der bisher geschossenen 4.14 Tore/Spiel schon ausmalen, dass da eine deftige Sturmwelle auf den Sahnpark zurollt.
Dreizehn Punkte aus den ersten sieben Partien sind eine gemäßigte Ausbeute für die auf vordere Tabellenplätze abonnierten Nordhessen, die Huskies sind also punktemäßig nicht ganz im Soll. Platz 5 bedeutet das derzeit, das ist ok. Der von Teilen der Kasseler Anhängerschaft schon locker zehnmal weggeschriebene Coach Rico Rossi hat also zumindest tabellarisch Argumente dafür geliefert, auch weiterhin fest im Sattel zu sitzen.
Im Tor setzen die Hessen auf den aus Heilbronn losgeeisten Marcel Melichercik (6 Sp, 3.57 GT/Sp, 88.70%, 0 SO). Der Slowake hat, gemessen an den statistischen Werten der Vorsaison, sicher noch Luft nach oben. Aber so lange die Kollegen vorne weiterhin so scoren, werden die Punkte auch auf das Huskies-Konto wandern, wenn die Fangquote unter den magischen 90% bleibt. Sein junger Backup Leon Hungerecker kann mit besseren Stats aufwarten (2 Sp, 1.35 GT/Sp, 96.43%, 0 SO), wird aber wahrscheinlich auch in Zukunft eher sporadisch von Beginn an eingesetzt oder dann, wenn wie gegen Ravensburg Melichercik entnervt die Kiste verläßt.
In der Kasseler Defensive tummeln sich mit Mike Little, Andy Reiss, Derek Dinger, Nick Walters und Alex Heinrich ganz erfahrene Leute. Little und Heinrich konnten sich mit 1+4 bzw. 1+5 und guten +3 bzw. +5 nach sechs Matches auch ordentlich beim Offensivoutput einbringen. Ansonsten fällt aber auf, dass in der Huskies-Abwehr Spieler ihren Dienst verrichten, die nicht nur der Positionsbeschreibung nach Verteidiger sind. Florian Kraus und Marco Müller komplettieren die Hinterreihen.
Das bisherige Prunkstück bei den Schlittenhunden sind aber die Angriffsformationen. Und wie soll es anders sein: an der Spitze der Scorerwertung steht ein Mann namens Richie Mueller (5T/6A, +3). Der Deutsch-Kanadier, um den es vor kurzem noch ein wenig nachträglichen Beef aufgrund des geplatzten Wechsels zurück nach Frankfurt gegeben hat, bürgt für Qualität: knapp 1 Tor und 1 Assist im Schnitt pro Spieltag können sich sehen lassen. Mit Matthew Neal (1+7, +2) und Sam Povorozniouk (2+5, +2) pegeln sich beide Sturm-Importspieler hinter Mueller ein.
Da aber auch Adriano Carciola (4+2, +5), Tyler Gron (1+6, +1), Jens Meilleur (5+2, -2), Jace Hennig (1+2, -1) oder Toni Ritter (4+0, +1) mehrfach auf den Spielberichtsbögen/Abteilung Tore und Vorlagen auftauchen, ist das Scoring bei den Nordhessen auf eine Menge Schultern verteilt. Das macht sie um so gefährlicher.
Für die Eispiraten kann das Motto daher nur lauten, die Huskies so gut wie möglich vom eigenen Gehäuse fernzuhalten. Was passiert, wenn die Schlittenhunde von der Leine gelassen werden, konnten letztens ja erst die defensiv eigentlich jahrelang verwöhnten Zuschauer im Ellental bestaunen. Dazu müssen vor allem die rot-weissen Sturmreihen ihre Chancen besser nutzen als zuletzt, alleine auf die Treffsicherheit der Piratenverteidiger sollte man sich in punkto Toreschießen nicht auf Dauer verlassen.
Wenn das alles gelingt, ist es auch möglich, den Bock umzustoßen. In den letzten beiden Spielzeiten, also seit acht Partien, gelang nämlich kein einziger Sieg gegen Kassel.