Auch das zweite Heimspiel der Eispiraten in der Play-Down-Serie gegen Heilbronn war wieder nichts für schwache Nerven. Erneut führten die Hausherren nach zwei Dritteln mit 5:2, und erneut wurde es hintenraus wieder ganz, ganz eng.

Aber der Reihe nach: die gute Nachricht, dass mit Kapitän Andre Schietzold und Kevin Neumüller zwei Verteidiger zur Verfügung standen, mit denen man noch gar nicht gerechnet hatte, ließ sicher auch die Abwehrkollegen aufatmen, die in dieser kraftraubenden Serie ein wenig mehr an Regenerationszeit zwischen den Shifts gut gebrauchen können. Leider fehlte dafür Jan Tramm, der nach einem Check während der Sonntagspartie verletzungsbedingt passen musste. Nach nur acht gespielten Minuten musste dann auch Schietzold vom Eis, die Schmerzen in der Schulter waren zu groß. Ein starkes Signal vom Kapitän war es allemal, Hut ab vor so viel Engagement. Somit standen Chris Lee mit Neumüller, Körner, Kirschbauer, Card und Opree wieder nur fünf etatmäßige Defender zur Verfügung.

Zum Glück stand es zu diesem Zeitpunkt bereits 1:1. Nach knapp zwei Minuten hatte Eric Lampe, der zum Matchwinner avancieren sollte und damit die lächerliche Anzinkeraktion der Falken-Verantwortlichen bei der DEL2-Schiedskommission aufs Vortrefflichste beantwortete, eine sehenswerte Powerplay-Aktion mit dem frühen Führungstreffer abgeschlossen. In der Folge waren die Rot-Weissen eindeutig Herr im eigenen Haus, und trotzdem gelang den Gästen nach knapp fünf Minuten, den Ausgleich zu erzielen: Krüger durfte seelenruhig durchs Drittel spazieren und vollendete flach. Vorerst blieb es trotz dieses Treffers bei den bis dato herrschenden Kräfteverhältnissen, Crimmitschau drückte weiter, Heilbronn hielt mit Kampf dagegen. Erst gegen Mitte des Abschnitts kamen die Falken dadaurch allerdings besser ins Spiel und konnten die Spielanteile ausgleichen. Aufgrund ihres hohen körperlichen Einsatzes nahmen die Gäste aber auch die Mehrzahl der Strafen in einem erstaunlich fairen Match, dem die beiden Referees Vogl und Oswald nebst ihrer Assistenten Knauss und Westhaus, ganz im Gegensatz zu den Kollegen vom Freitagsspiel, richtig gut taten. Klar gab es viele Unterbrechungen, aber das hatten eher die Teams zu verantworten, denen spielerisch vor allem zum Ende des Drittels hin nicht mehr viel gelang. Das 1:1 nach zwanzig Minuten war leistungsgerecht.

Der Mittelabschnitt war – gelinde gesagt – eigenartig. Denn es spielte nur ein Team, die Gäste aus Heilbronn. Die Eispiraten lieferten – vor allem spielerisch – eines der schwächsten Drittel der ganzen Saison ab, und trotzdem stand es nach vierzig Minuten 5:2. Ein Puck nach dem anderen versprang den Rot-Weissen, die doch sehr nervös agierten. Pässe gingen ins Niemandsland oder gleich zum Gegner, und die Falken setzten der Eispiratenverteidigung enorm zu. Das Tor machte trotzdem Eric Lampe. Der US-Amerikaner bewies den richtigen Riecher, als er in einer unübersichtlichen Situation einen Fehler von Philipp Lehr – der Backup-Goalie musste für den beim Aufwärmen mit Leistenbeschwerden passenden Proske ins Tor – quasi vorausahnte und dann keine Mühe hatte, den Puck mit der Rückhand ins leere Tor zu stopfen. Die Gäste ließen sich aber auch davon nicht ins Bockshorn jagen und drückten weiter, bis ihnen in der 35. Minute nach einer wirklich tollen Stafette das 2:2 gelang. Man musste um die Piraten fürchten, aber eine Strafe gegen Krull gab ihnen Zeit zum Verschnaufen. Und nicht nur das: wieder war es Eric Lampe, der seinen Hattrick perfekt machte und die Seinen in Überzahl in Front brachte. Immer wenn es den Rot-Weissen gelang, das Spiel gegen stark verteidigende Heilbronner schnell zu machen, wurde es gefährlich. Und das gelang am Ende dieses von den Gästen größtenteils beherrschten Drittels plötzlich für weitere drei Minuten. Auf einen Schlag lief es für die Hausherren, und die Tore fielen wie reife Früchte: erst schloss Marvin Tepper eine starke Kombination über Matthias Forster und Martin Heinisch ab, dann nutzte Alex Hutchings einen Fehler der Heilbronner Hintermannschaft. Plötzlich stand es 5:2, das Drittel war vorbei, und man konnte nicht mit Gewißheit sagen, wie die Rot-Weissen das wohl angestellt hatten nach einem eigentlich wirklich schwachen Mittelabschnitt.

Aber es sollte trotzdem noch spannend werden. Schon in der 43. Minute nutzte Janzen einen Puckverlust Teppers im Angriffsdrittel nach einem schnellen Konter zum 5:3. Vorerst machten die Rot-Weißen aber nicht den Fehler, sich hinten rein zu stellen und nervös die Angriffe der Falken abzuwarten. Man versuchte, selbst das Spiel zu machen, und das gelang auch zehn Minuten lang. Dann blies Heilbronn zur Schlussoffensive, und es gelang den Gästen tatsächlich, nach Herausnahme von Lehr in der 59. Minute den Anschlusstreffer zum 5:4 zu erzielen. Cameron hatte den rechten oberen Winkel von Ryan Nies Tor perfekt getroffen. Danach musste der Schlussmann der Eispiraten noch mehrmals Kopf und Kragen riskieren, aber der Kanadier hatte sich seine beste Phase im Spiel für die letzten Minuten aufgehoben und fing alles weg, was noch auf seinen Kasten kam. Einen der wenigen Entlastungsangriffe nutzte dann der ansonsten wieder glücklos agierende Jamie MacQueen zum 6:4-Endstand, als er aus der Drehung ins leere Tor traf.

Drops gelutscht, Heimspiel gewonnen, 2:1 in der Serie. Alles gut! Nun, um ehrlich zu sein, ist das natürlich etwas stark verkürzt dargestellt. DIe Eispiraten überzeugten nämlich nicht sonderlich gegen wiederum starke Heilbronner, die halt auch wirklich Lunte gerochen haben und ihren Stiefel weiter runterspielen: hart am Mann, auf den Körper gehend, nehmen sie den Rot-Weissen ein ums andere Mal die Lust am Kombinieren. Die spielerische Leichtigkeit ist denen dadurch gründlich abhanden gekommen, aber sind wir ehrlich: genau das musste man in einer Play-Down-Serie auch erwarten. Schön für die Piraten wäre es, wenn alsbald die Verletzungssorgen in der Abwehr weniger würden, und wenn neben MacQueen-Hutchings-Lampe und ab und an Tepper-Heinisch-MacKay auch die dritte Reihe ins Scoring einsteigen könnte.

 

Torfolge:

1:0 – Eric Lampe (Überzahl-Tor) (Jamie MacQueen, Mike Card) 01:56
1:1 – Marvin Krüger (Grant Toulmin, Fabian Krull) 04:50

2:1 – Eric Lampe (Jamie MacQueen, Alexander Hutchings) 22:34
2:2 – Marcel Kurth (Alexander Ackermann, Dustin Cameron) 34:29
3:2 – Eric Lampe (Überzahl-Tor) (Jamie MacQueen, Alexander Hutchings) 37:16
4:2 – Marvin Tepper (Matthias Forster, Martin Heinisch) 37:40
5:2 – Alexander Hutchings (Eric Lampe, Jamie MacQueen) 39:25

5:3 – Alexander Janzen (Kevin Maginot) 42:32
5:4 – Dustin Cameron (sechster Feldspieler) (T. J. Fast) 58:18
6:4 – Jamie MacQueen (Empty Net) (Eric Lampe, Alexander Hutchings) 59:26

 

Strafen:

Heilbronner Falken – Fabian Krull – (Halten), 2 MIN, 01:38
Heilbronner Falken – Sachar Blank – (Behinderung), 2 MIN, 05:35
Eispiraten Crimmitschau – Ryan Nie – (Beinstellen), 2 MIN, 09:27
Heilbronner Falken – Grant Toulmin – (Unkorrekter Körperangriff), 2 MIN, 10:55
Eispiraten Crimmitschau – Marvin Tepper – (Halten), 2 MIN, 11:14
Heilbronner Falken – Philip Lehr – (Halten), 2 MIN, 12:11
Heilbronner Falken – Dorian Saeftel – (Zu viele Spieler auf dem Eis) (Kleine Bankstrafe), 2 MIN, 15:02

Heilbronner Falken – Stefan Legein – (Stock-Check), 2 MIN, 31:26
Heilbronner Falken – Fabian Krull – (Beinstellen), 2 MIN, 35:54
Eispiraten Crimmitschau – Alexander Hutchings – (Unkorrekter Körperangriff), 2 MIN, 40:00

 

Schiedsrichter:

Stefan Vogl – Christian Oswald

Linienrichter:

Daniel-Roger Knauss – Volker Westhaus

 

Zuschauer:

1540