Die Crimmitschauer Eispiraten bleiben weiter Garant für einen hohen Unterhaltungsfaktor. In einem überlegen geführten Spiel wurde der Tabellenvorletzte aus der Käthchenstadt abermals mit einer deutlichen Packung auf die Heimreise geschickt.

Ich gebe es zu: als Jamie MacQueen an der Pleiße mit der Zielvorgabe von 40 Buden vorstellig wurde, schoss mir als erstes das Wort „Großmäuligkeit“ durch den Schädel. Hiermit möchte ich offiziell Abbitte leisten, auch wenn er die Vierzig letztlich nicht voll machen sollte. Seine Nummer 17, in Crimmitschau schon von Toptorjägern wie Zdenek Vojta und Harrison Reed getragen, hat er sich mittlerweile verdient.

Den Anfang machte aber der ebenfalls recht treffsichere Matt MacKay. Nachdem sich die Rot-Weissen schon in den Anfangsminuten ein deutliches Übergewicht erarbeiten konnten, war es MacKay, der Proske im Gästetor als erster überwinden konnte. Nach einer schönen Kombination über Tepper und Heinisch stocherte er den Puck über die Linie. Leider hatte zu diesem Zeitpunkt wohl einer der Linesmen schon etwas übereifrig in sein Pfeifchen gepfiffen, der Treffer fand keine Anerkennung. In der 9. Minute machten es die Gestreiften dann besser: kein Pfiff hinderte MacKay diesmal daran, das 1:0 zu erzielen, nachdem erneut seine Reihenkollegen Tepper und Heinisch ihn schön in Position gebracht hatten, der Nachschuss jedenfalls saß. Da wollte der überragende Jamie MacQueen wohl nicht nachstehen, schnappte sich die Scheibe im eigenen Drittel und chipte sie, von den Gästeverteidigern freundlichst bis vor Proske durchgewunken, ins Kreuzeck – herausragend. Gerd Wittmann und Luigi Calce hatten genug gesehen und falteten ihr Team während einer eiligst einberufenen Auszeit gehörig zusammen. Mit der Folge, dass die nächste Aktion ein Foulspiel Armstrongs war, und Mike Card nach ganz kurzer Zeit – die eine Sekunde von Pointstreak ist allerdings dann doch übertrieben, es werden eher zwanzig gewesen sein – mit einem satten Blueliner Proskes Netz zum 3:0 penetrierte. Man fühlte sich irgendwie an den 30.12. erinnert. Aber ganz so glatt sollte es heute dann doch nicht laufen: die zweite Strafe gegen die Westsachsen kurz hintereinander war eine zu viel, denn Toulmin nutzte einen Abpraller nach Gödtels Gewaltschuss in Überzahl zum 3:1. Das gab den Gästen sichtlich Auftrieb, denn drittelübergreifend konnten sie bis etwa , nein, eigentlich bis genau zur 32. Minute, das Spiel offen gestalten, setzten sogar die deutlicheren Akzente.

In diesen 13 Minuten hatte dann auch Ryan Nie etwas mehr zu tun, der frischgebackene Vater erledigte das aber mit Bravour und musste nicht hinter sich greifen. Es war dann in besagter Minute 32 wiederum Jamie MacQueen, der den Ambitionen der Falken eine Abfuhr erteilte: ins Drittel hineinfahren, ganz weit ausholen und die Scheibe ins Gehäuse torpedieren, dass die Zuschauer auf der Sponsorentribüne in Deckung gingen – das Ganze dauerte nur ein, zwei Sekunden, der junge Florian Proske wurde durch den wenig älteren Philip Lehr ersetzt, und das Match war letztlich schon entschieden. Zumal Dominic Walsh und Alex Hutchings bis zur Drittelpause sogar auf 6:1 stellten, da half auch der Torwarttausch nix. Beide Treffer fielen durch Konter – und das so überzeugend, dass Falkencoach Wittmann den Eispiraten hernach ein sagenhaftes Umkehrspiel bescheinigte. Ein Lob, das wir aus dem Munde eines so erfahrenen Coaches gerne mal so stehen lassen.

Im Schlussdrittel machte MacQueen nach sehenswerter Vorarbeit von Hutchings recht schnell erst einmal seinen Hattrick voll, auch Andre Schietzold trug sich in Überzahl gegen seinen alten Club noch in die Torschützenliste ein. Danach ließen es die Rot-Weissen angesichts des klaren Vorsprungs und der schweren Sonntagspartie in Garmisch dann etwas schleifen, und Heilbronn wusste das zu nutzen: nacheinander trafen Kurth, Kircher und Armstrong. Kein Grund zur Besorgnis, das nicht, zur Not hätte Jamie MacQueen wahrscheinlich einen von der eigenen blauen Linie reingeschweißt – aber zumindest Eispiratencoach Chris Lee sah diese defensiven Nachlässigkeiten höchst ungern, und das ist gut so. Fürs Unterhaltenwerden sind wir Zuschauer zuständig, dafür, dass die Spieler ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren, der Coach. Den Endstand von 9:4 machte, erneut per Konter, dann der damit ebenfalls doppelte Torschütze Matt MacKay fest, und beendete damit ein weiteres Eishockeyfest im Sahnpark. Wie schon eingangs erwähnt: hoher Unterhaltungsfaktor mit einem Eispiratenteam, das – hier soll mal ein Anglizismus bemüht werden – wirklich red hot unterwegs ist.

 

Spielstatistik:

Torfolge

1:0    Matt MacKay (Martin Heinisch, Marvin Tepper)   06:52
2:0    Jamie MacQueen (Ryan Nie, Nico Opree)    08:05
3:0    Mike Card (Überzahltor) (Eric Lampe, Jamie MacQueen)    09:51
3:1    Grant Toulmin (Überzahltor) (Thomas Gödtel, Riley Armstrong)    18:26
4:1    Jamie MacQueen (Jan Tramm, Jakub Körner)    31:48
5:1    Dominic Walsh (Jamie MacQueen, Jan Tramm)    37:33
6:1    Alex Hutchings (Nico Opree, Jamie MacQueen)   39:03
7:1    Jamie MacQueen (Alex Hutchings, Eric Lampe)    41:33
8:1    Andre Schietzold (Überzahltor) (Marvin Tepper, Martin Heinisch)    46:40
8:2    Marcel Kurth (Dustin Cameron, Riley Armstrong)    47:52
8:3    Tobias Kircher (Alexander Karachun, Dorian Saeftel)  49:53

8:4    Riley Armstrong (Dustin Cameron, Dominik Bittner)    56:34

9:4    Matt MacKay (Marvin Tepper, Jakub Körner)    58:49

Strafen

Crimmitschau:    6 Minuten
Heilbronn        :  10 Minuten