Logo_heilbronnDer erste Sieg der Play-Down-Runde ist für die Eispiraten unter Dach und Fach. Dass sie dafür 84 Minuten benötigten, haben sie sich allerdings zum größten Teil selbst zuzuschreiben.

Schon die ersten Minuten der Partie zeigten eines deutlich auf: mit der mutlosen Truppe, die im Sahnpark in der Hauptrunde 8:0 und 9:4 untergegangen war, hatten die Gäste aus Heilbronn recht wenig zu tun. Von Beginn an spielten die Falken einen ganz unangenehmen Part für die Hausherren, gingen körperlich voll drauf und beeindruckten damit etwas nervös beginnende Rot-Weisse. Das Schiedsrichtergespann Sicorschi/Bidoul ließ viel laufen, was sich allerdings im Laufe der Begegnung noch ins Gegenteil verkehren sollte. Von Anfang an kleinlich zeigten sich hingegen ihre Linesmen, die aus jedem Anspiel eine Zeremonie machen mussten und sich so beizeiten den Unmut von Spielern und Fans zuzogen. Das wurde später im Spiel auch durch diverse völlig unverständliche Abseitsentscheidungen nicht besser.

Ein erstes Achtungszeichen setzten die Gäste: Steven Bär wummerte die Scheibe in Minute 5 ans Gestänge des erwartungsgemäß von Ryan Nie gehüteten Piratentores. Den Torreigen eröffneten trotzdem die Hausherren: das erste Powerplay des Matches nutzte Alex Hutchings nach schöner Vorarbeit seiner Reihenkollegen Lampe und MacQueen und hämmerte die Scheibe ansatzlos unters Dach. Mittlerweile hatte bei den Herren in Schwarz-Weiss schon ein wenig die Kleinlichkeit Einzug gehalten, Leidtragende blieben vorerst die Gäste, allerdings konnten die Westsachsen kein weiteres Kapital daraus schlagen. Die Falken schon: als Matthias Forster als erster Pirat auf der Strafbank saß, schlugen sie eiskalt zu und erzielten den zu diesem Zeitpunkt nicht unverdienten Ausgleich. Nicht etwa deshalb, weil sie Unmengen an Chancen kreiert hatten, nein. Nicht unverdient einfach daher, weil sie es nach wie vor sehr gut verstanden, den Hausherren das Leben schwer zu machen. Und die ließen das auch mit sich machen: die Nordamerikaner zeigten einzig beim Führungstreffer ihre Klasse, ansonsten zeigten auch sie sich nervös bzw. unauffällig. Jamie MacQueen hatten sich die Gäste zudem als „speziell“ zu bearbeitenden Gegenspieler auserkoren, der Kanadier bekam, über das gesamte Spiel gesehen, sicher das meiste an Härte ab. In der zweiten Formation der Gastgeber fehlte das kreative Element eines Marvin Tepper, um wirklich gefährlich vor dem jungen Proske im Falkentor aufzutauchen, der Berliner scheint solche Kampfspiele nicht sonderlich zu mögen, und fiel auch später eher durch blöde Revanchefouls auf als durch die klugen, öffnenden Pässe, die wir unter der Saison so oft bestaunen durften.

Das 1:1 nach zwanzig Minuten hinterließ den Beobachter jedenfalls mit irgendwie gemischten Gefühlen: einerseits konnte man sich kaum vorstellen, dass Heilbronn diese kraftraubende Spielweise über eine ganze Serie durchhalten wird, zudem wirkten die Falken auch nicht sonderlich gefährlich; andererseits sind die diesjährigen Eispiraten ja auch immer für Spektakel gut, in positiver wie auch in negativer Hinsicht, und sie haben schon so einige Spiele verloren, bei denen selbst der Gegner nicht genau zu wissen schien, warum.

Aber es sollte besser werden. Das brauchte zwar so einige Zeit, sechs Minuten und acht Sekunden, um genau zu sein, aber dann hatte Alex Hutchings mit seinem zweiten Tor die Seinen aufgeweckt. Der Kanadier, dem zuvor ja auch nicht all zu viel gelungen war, hatte aber zumindest genügend Zielwasser getrunken, fuhr einfach ins Drittel und zog aus Halbdistanz ab – zu genau für Proske, der Puck passte. Danach war plötzlich Feuer drin bei den Hausherren, die Gäste wurden eingeschnürt, und es war nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Treffer fiel. Wir widmen diesen Treffer mal Jan Tramm, denn der Youngster bediente mit einer erstaunlichen Übersicht den freien Tepper neben dem Kasten, der endlich einmal genug Zeit und Raum hatte und seinerseits Matt MacKay einsetzte, dem es ein inneres Blumenpflücken war, Proske die Scheibe um die Ohren zu schlenzen. Schönes Ding, und eigentlich auch genau der Wegweiser, wie die Gäste zu knacken waren: kaum zog man das Passtempo etwas an, bekamen die Falken Probleme. Blöderweise dauerte es nur ein paar Sekunden, bis nach dem 3:1 einer der wenigen Entlastungsangriffe Heilbronns zum Anschlusstreffer führte: Riley Armstrong schoss Nie aus der Hintertorposition an, und es stand 3:2. Derselbe Armstrong war es dann zwei Minuten später, der den Eispiraten das 4:2 ermöglichte: von der Strafbank aus durfte er beobachten, wie Alex Hutchings seinen Hattrick perfekt machte, diesmal aus halblinker Position mit einem Strahl über Proskes Schulter. Heilbronn nahm noch weitere wirklich dämliche Strafen, aber die Westsachsen konnten den Vorsprung nicht weiter erhöhen, eigentlich das einzige Manko eines wirklich gut gespielten Drittels war wohl somit die Chancenverwertung.

Der dritte Durchgang begann wie gehabt: mit Strafzeiten. Als Opree auf der einen sowie Toulmin und Janzen auf der anderen Seite pausieren mussten, spielte sich die erste Crimmitschauer Powerplay-Formation den Gegner lehrbuchmäßig zurecht: Mike Card war es letztlich, der einen Blueliner gegen seine alten Kollegen aus zentraler Position versenkte. Die Entscheidung? Man hätte es meinen können, aber es blieb immer das Gefühl, dass ein sechster eigener Treffer erst zur endgültigen Beruhigung hätte führen können. Das sollte sich bewahrheiten, leider. Denn plötzlich waren es die Rot-Weissen, die unnötige Strafen nahmen. Als Körner, dem man die lange Pause nur phasenweise anmerkte, und Tepper gemeinsam das Sünderbänkchen wärmten, gingen Wittmann und Calce volles Risiko und ließen Proske gleich draußen. Und das sollte sich lohnen: Heilbronns Bester, Thomas Gödtel, brachte die Scheibe bei 6 vs. 3 zum 5:3 in die Maschen, als sein Schlenzer durch viel Freund und etwas weniger Feind hindurch den Weg hinter Ryan Nie fand. Zu Körner auf die Bank gesellte sich kurz darauf Nico Opree, und wieder ging das Kalkül der Falken auf: beim nächsten 6 vs. 3 war es Topscorer Cameron, der mit einem Sonntagsschuss das 5:4 erzielte, und kurz darauf bei einfacher Überzahl auch noch den Ausgleich. Das war ernüchternd, aber der große Hektikanfall der Eispiraten blieb in der Folge glücklicherweise aus. Die Eispiraten versuchten nicht, auf Biegen und Brechen die Entscheidung zu erzwingen und liefen daher auch nicht Gefahr, noch den alles entscheidenden Konter zu bekommen. Im Gegenteil: der nächste, der den Kopf verlor, war Expirat T.J. Fast: nach einem Gerangel vor Proske legte sich Fast mit Jamie MacQueen an, der aber recht genau und mit ziemlicher Coolness darauf achtete, nicht zurückzuschlagen, als ihm der Falke eine verpasste. Zur Strafe ging Fast alleine aufs Bänkchen. Aber leider konnten die Hausherren die Überzahl nicht nutzen. Das bedeutete Verlängerung.

Und die konnte sich ja lange hinziehen: ein Penaltyschiessen ist in den Playdowns nicht vorgesehen. Machen wir es kurz: zwanzig Minuten lang spielte in dieser Overtime nur eine Mannschaft Eishockey, die Eispiraten. Das Problem war: einerseits hatten sie Proske mittlerweile wirklich warmgeschossen, andererseits trafen sie das Tor nicht, wenn der junge Goalie einmal schon geschlagen schien. Die einzige Chance der Falken war allerdings eine ganz dicke: Fast, von der Strafbank kommend, konnte nur unfair am Abschluss gehindert werden, den fälligen Penalty vergab der Verteidiger glücklicherweise. Heilbronn nahm nun wieder die dämlichen Strafen, darunter eine, die nicht nur dämlich, sondern auch gesundheitsgefährdend war: nämlich für Andre Schietzold. Thomas Gödtel beförderte den Crimmitschauer Kapitän mit dem Kopf voran in die Bande. Für beide war die Partie gelaufen. Der Sachse musste in die Kabine gebracht werden, und es steht zu befürchten, dass er für die weiteren Begegnungen der Runde ausfällt. Gödtel durfte mit einer Matchstrafe duschen gehen, und auch, wenn man als erklärt parteiischer Zuschauer dazu neigen mag, gegnerische Fouls härter zu beurteilen: hoffentlich gibt es eine saftige Strafe, und das nicht nur, weil den Falken ein Gödtel in seiner gestrigen Form definitiv abgehen wird.

Die fünfminütige Überzahl brachte aber auch nichts ein, Heilbronn verteidigte gut und mit Mann und Maus und vor allem Proske, der ein Riesenspiel machte. Als kurz darauf Marvin Tepper wegen eines Revanchestockschlages zwei Minuten bekam, hätte es wirklich noch böse enden können, aber diesmal bekamen auch die Gäste in Überzahl den Puck nicht ins Tor. Fast schon bezeichnend, dass nach 3 Minuten und 14 Sekunden der zweiten Verlängerung ein Unterzahltreffer die Rot-Weissen glücklich machte. Ein Jamie MacQueen kann eben selbst an einem mehr oder minder gebrauchten Tag noch den Gamewinner erzielen: als ihm der Puck nach einem Konter nochmal vor die Füße fiel, reagierte der Kanadier blitzschnell und drosch die Scheibe zum Siegtor ins Netz.

 

Torfolge:

1:0 – Alexander Hutchings (Überzahl-Tor) (Eric Lampe, Jamie MacQueen) 08:58
1:1 – Marvin Krüger (Überzahl-Tor) (Riley Armstrong, Fabian Krull) 15:31

2:1 – Alexander Hutchings (Eric Lampe, André Schietzold) 26:08
3:1 – Matthew MacKay (Marvin Tepper, Jan Tramm) 31:06
3:2 – Riley Armstrong (Grant Toulmin, Dominik Tiffels) 31:52
4:2 – Alexander Hutchings (Überzahl-Tor) (Matthew MacKay, Eric Lampe) 33:51

5:2 – Mike Card (Überzahl-Tor) (Jamie MacQueen, Alexander Hutchings) 44:16
5:3 – Thomas Gödtel (Überzahl-Tor) (sechster Feldspieler) (T. J. Fast, Riley Armstrong) 53:00
5:4 – Dustin Cameron (Überzahl-Tor 2) (sechster Feldspieler) (T. J. Fast, Thomas Gödtel) 53:50
5:5 – Dustin Cameron (Überzahl-Tor) (Thomas Gödtel, T. J. Fast) 55:37

6:5 – Jamie MacQueen (Unterzahl-Tor) (ohne Assist) 83:14

 

Strafen:

Heilbronner Falken – Marcel Kurth – (Halten), 2 MIN, 07:43
Heilbronner Falken – Alexander Ackermann – (Check gegen die Bande), 2 MIN, 09:15
Heilbronner Falken – Steven Bär – (Spielverzögerung), 2 MIN, 12:15
Eispiraten Crimmitschau – Matthias Forster – (Ellbogen-Check), 2 MIN, 15:22
Heilbronner Falken – Alexander Ackermann – (Hoher Stock), 2 MIN, 15:48
Eispiraten Crimmitschau – Daniel Bucheli – (Verstoß beim Anspiel) (Kleine Bankstrafe), 2 MIN, 17:45

Heilbronner Falken – Steven Bär – (Behinderung), 2 MIN, 22:21
Eispiraten Crimmitschau – Alexander Hutchings – (Unnötige Härte), 2 MIN, 28:57
Heilbronner Falken – Riley Armstrong – (Unnötige Härte), 2 MIN, 28:57
Heilbronner Falken – Riley Armstrong – (Haken), 2 MIN, 33:21
Heilbronner Falken – Dominik Tiffels – (Haken), 2 MIN, 36:28
Heilbronner Falken – Alexander Janzen – (Hoher Stock), 2 MIN, 36:47
Eispiraten Crimmitschau – Eric Lampe – (Unsportliches Verhalten), 2 MIN, 37:38
Heilbronner Falken – Thomas Gödtel – (Stock-Check), 2 MIN, 37:38

Heilbronner Falken – Grant Toulmin – (Unnötige Härte), 2 MIN, 43:30
Eispiraten Crimmitschau – Nico Oprée – (Unnötige Härte), 2 MIN, 43:30
Eispiraten Crimmitschau – Nico Oprée – (Unnötige Härte), 2 MIN, 43:30
Heilbronner Falken – Grant Toulmin – (Unnötige Härte), 2 MIN, 43:30
Heilbronner Falken – Alexander Janzen – (Unkorrekter Körperangriff), 2 MIN, 43:44
Heilbronner Falken – Sachar Blank – (Unkorrekter Körperangriff), 2 MIN, 45:12
Heilbronner Falken – Thomas Gödtel – (Check gegen die Bande), 2 MIN, 46:56
Eispiraten Crimmitschau – Jakub Körner – (Beinstellen), 2 MIN, 48:26
Eispiraten Crimmitschau – Marvin Tepper – (Stockschlag), 2 MIN, 51:15
Eispiraten Crimmitschau – Jakub Körner – (Unkorrekter Körperangriff), 2 MIN, 52:51
Eispiraten Crimmitschau – Nico Oprée – (Check gegen die Bande), 2 MIN, 53:40
Heilbronner Falken – T. J. Fast – (Unkorrekter Körperangriff), 2 MIN, 59:32

Heilbronner Falken – Kevin Maginot – (Beinstellen), 2 MIN, 62:10
Heilbronner Falken – Grant Toulmin – (Unkorrekter Körperangriff), 2 MIN, 71:24
Heilbronner Falken – T. J. Fast – (Check gegen die Bande), 2 MIN, 73:00
Eispiraten Crimmitschau – André Schietzold – (Stockschlag) (Strafschuss) PS, 75:09
Heilbronner Falken – Thomas Gödtel – (Check von hinten) (Matchstrafe), 25 MIN, 76:22
Eispiraten Crimmitschau – Marvin Tepper – (Stockschlag), 2 MIN, 76:57

 

Schiedsrichter:

Ulpi Sicorschi – Ralph Bidoul

Linienrichter:

Benedikt Lender – Norbert van der Heyd

 

Zuschauer:

2578